Toques (Rhythmen)

Angola

Der Toque de Angola ist der älteste Toque der Capoeira und wird begleitet von melancholischem Gesang. Geklatscht wird nicht. Üblich ist es, daß das Angola Spiel mit einer Ladainha (siehe Cantigas [Lieder]) eröffnet wird, und die beiden Spieler die ganze Zeit vor der Bateria warten, bis die Geschichte erzählt ist und der Chor antwortet. Das Spiel selbst ist langsam bis mittel-schnell, wobei sich die Spieler immer nah am Boden und dicht beieinander befinden. Ziel ist es den anderen durch genügend malícia auszutricksen.

São Bento Pequeno de Angola

Der Toque Pequeno de Angola wird auch manchmal umgekehrtes Angola genannt. Geklatscht wird zweimal im Rhythmus. Das Spiel ist nah und eng, aber schneller als beim Angola.

São Bento Grande da Regional

Dieser Toque wird ursprünglich São Bento Grande de Bimba oder in Kurzfassung auch einfach Regional genannt. Die Bateria beschränkt sich beim Singen auf Corridos (siehe Cantigas [Lieder]), um die Stimmung der Roda anzuheizen. Geklatscht wird dreimal im Rhythmus. Das Spiel ist sehr schnell, energiereich und mit hohen Tritten und Akrokatik. Am Boden wird nur zur Not oder als Einleitung/Übergang zu einer hohen Bewegung gespielt.

São Bento Grande de Angola

Bei vielen Gruppen werden São Bento Grande de Angola und São Bento Grande da Regional equivalent verwendet. Das heisst, dass es ein sehr schnelles, energiereiches Spiel mit hohen Tritten und Akrokatiken ist.

Benguela

Ein im Vergleich zu Regional langsames bis mittel-schnelles Spiel, was sehr verschachtelt und bodennah ausgeführt wird. Erwünscht ist ausschließlich Bodenakrobatik, keine hohen Sprünge. Hohe Tritte u.ä. werden nur als Einleitung/Übergang zu tiefen Bewegungen benutzt. Auch hier wird dreimal im Rhythmus geklatscht.

Iúna

Mestre Bimba entwickelte diesen Toque, der Erzählung nach, wie er den Iuna-Vögeln zuhörte. Iúna ist heutzutage ein Spiel, an dem nur die Mestres teilnehmen. Sie selbst legen fest, welche unter ihnen liegenden Graduierungen noch teilnehmen dürfen. Das heisst, das auch Professores, Instrutores oder Graduados spielen können, aber nur mit Erlaubnis der Mestres. Gesungen wird überhaupt nicht, geklatscht nur bei Absprache. Das Spiel ist sehr akrobatisch und harmonisch, ohne direkte Konfrontation.

Santa Maria

Santa Maria hat verschiedene Bedeutungen. Von Mestre Bimba wurde dieser Toque als „Hymne des Regional“ bezeichnet. In manchen Capoeira Gruppen wird er daher zum Gedenken an verstorbene Mestres gespielt. Die andere Variante ist ein Spiel um das „selten gesehene Geld“. Früher bekamen die Capoeiristas bei ihren Straßenrodas Geld von Passanten, den sie z.B. in einer Mütze oder einem Hut sammelten. Beim Santa Maria ging es dann darum, durch ein listenreiches, akrobatisches Spiel, diese Mütze mit dem Geld einzusammeln. Zum Aufnehmen darf nur der Mund benutzt werden. Heutzutage werden auch Gegenstände wie z.B. ein Geldschein oder eine Caxixi verwendet.

Samba de Roda

Einer der ältesten Toques und ein klassischer Samba-Rhythmus. Das „Spiel“ passiert immer zwischen einem männlichen und einem weiblichen Teilnehmer, die Samba tanzen und ihr Repertoire an Bewegungen zeigen. Gekauft wird ähnlich wie beim Capoeira Spiel, aber durch bewusst lustigere Gesten, wobei jedes Geschlecht nur das seinige rauskaufen darf.

Cavalaria

Cavalaria ist ein sehr alter Toque, der allen Capoeiristas als Warnzeichen diente. Zur Sklavenzeit (bis 1888) und als Capoeira verboten war (von 1890 bis 1937), wurde dieser Toque verwendet, um die trainierenden Capoeiristas vor der Ankunft der Vorarbeiter oder der Polizei zu warnen. Sie benutzten Cavalaria dem Namen nach, um vor der Ankunft der Polícia Montada (berittene Polizei), also der „Kavallerie“, zu warnen. Wird dieser Toque gespielt, löst die Roda sich auf. Es gibt daher auch kein Spiel und kein Gesang dazu.

Amazonas

Amazonas ist ein Toque um Mestres und allgemein die Gäste zu begrüßen. Eine neue Bedeutung hat Mestre Camisa eingeführt, bei dem zu diesem Toque die Tiere des Amazonas-Gebiets nachgespielt werden. Ein Spiel, bei dem die Spieler beschränkt sind auf die Fähigkeiten der jeweiligen zugeteilten Tiere.

Idalina

Idalina ist ein eher langsamer Toque, dessen Spiel höher graduierten Capoeiristas vorbehalten ist. Ursprünglich wird er mit Messern und Rasierklingen ausgeübt.

Samango

Samango, zu deutsch „fauler Mann“, ist ein Toque von Mestre Canjiquinha, der seitwärts gespielt wird und dessen Gestalt weniger Bewegungen hat.

Miudinho

Miudinho ist ein Angola-ähnlicher Toque, der von Mestre Suassuna entwickelt wurde. Gesungen und geklatscht wird dazu eher selten. Das Spiel ist sehr eng und harmonisch und verbindet viele Sequenzen miteinander, so daß der Eindruck entstehen kann, daß es sich um eine Choreographie handelt. Dennoch ist das Spiel nie vorgeschrieben und lebt von der Wachsamkeit der beiden Teilnehmer, die ähnlich wie bei Iúna auf ein schönes Spiel achten müssen.